Offener Brief an die japanische Regierung – Aufruf zu einer umfassenden Lösung der „Trostfrauen“-Frage

An:
Herrn Shinzo Abe
Premierminister von Japan
2-3-1 Nagata-cho, Chiyoda-ku, Tokyo 100-0014
Japan

am 14.08.2018, internationaler Gedenktag für „Trostfrauen“ des japanischen Militärs

Open Letter to the Japanese government calling for a comprehensive solution to the “Comfort Women” issue

To:
Mr. Shinzo Abe
Prime Minister of Japan
2-3-1 Nagata-cho, Chiyoda-ku, Tokyo 100-0014
Japan

on 14.08.2018, International Memorial Day for the Japanese military’s “comfort women”

Sehr geehrter Herr Premierminister,

im letzten Jahr jährte sich die erfolgreich angenommene Resolution des Europaparlaments zur Lösung der „Trostfrauen“-Frage zum 10. Mal. In Erinnerung daran, sandte der Korea Verband e.V. im Januar 2018 die „Friedensstatue“ an den Sitz des europäischen Parlaments nach Brüssel, Belgien.

Im April 2018 schrieb Zeid Ra'ad Al Hussein, der hohe Kommissar der Menschenrechte der Vereinten Nationen, an den japanischen Außenminister Taro Kono, dass die japanische Regierung „umgehende und wirksame legislatorische und administrative Maßnahmen treffen soll, um eine Opfer-zentrierte Resolution zu finden, insbesondere indem sie die rechtliche Verantwortung anerkennt, Täter verfolgt und bestraft, sowie den Opfern Wiedergutmachung und Entschädigung zukommen lässt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden schätzungsweise 200.000 Frauen in Korea, den Philippinen, Taiwan, China und anderen asiatischen Ländern durch das staatlich geführte und strukturelle System als sexuelle Sklavinnen missbraucht. Erst 1991 wurde dieses Kriegsverbrechen der Öffentlichkeit durch die Zeuginnenaussage von Frau Kim Hak Soon, einer Überlebenden des „Trostfrauen“ Systems, bekannt. Ihr Zeugnis verbreitete sich weltweit und markiert den Ausgangspunkt einer Bewegung in Südkorea und anderen asiatischen Ländern, die der heutigen „MeToo“ Bewegung gleichkommt. Diese Überlebenden, die heute um die 90 Jahre alt sind, überlieferten Ihre Botschaft der Hoffnung an Opfer von sexualisierter Gewalt weltweit.

Heute werden in Syrien, Kongo, Afghanistan und anderen Staaten, in denen bewaffnete Konflikte stattfinden, noch immer Frauen sexuell versklavt und viele von Ihnen getötet. Wenn die japanische Regierung den „Trostfrauen“ Recht verschafft und sich bei den Opfern ehrlich entschuldigt, würden die Opfer, die mit nicht vergehenden Schmerzen leben, gestärkt.

Die japanische Regierung verleumdet jedoch immer noch den Wesen dieses Kriegsverbrechens und den zwanghaften Charakter. Auch respektiert die japanische Regierung weder die Zeuginnenaussagen der Überlebenden noch die historischen Fakten und die Anerkennung durch die internationale Gemeinde.

Die japanische Regierung betont, dass sie Ende 2015 mit der südkoreanischen Regierung eine Vereinbarung mit einer „endgültigen“ und „unumkehrbaren Lösung“ zur „Trostfrauen“-Frage getroffen habe. Sie bekräftigt jedoch weiterhin, keine rechtliche Verantwortung übernehmen zu wollen. Eine Entschuldigung, die Sie, Herr Premierminister, hätten aussprechen sollen, wurde von keiner Überlebenden gehört. Japan verweigert strikt Verhandlungen mit Staaten wie Taiwan, China oder Ost-Timor. Wie kann diese Vereinbarung als Lösung anerkannt werden?

Darüber hinaus übt die japanische Regierung stets politischen Druck aus gegenüber jeglichen Bemühungen von Bürgern weltweit, der Geschichte der sexuellen Sklaverei zu erinnern , beispielsweise bei der Errichtung von Denkmälern für die „Trostfrauen“, der Eintragung in das Weltdokumentenerbe der UNESCO und der Aufnahme der historischen Fakten in Geschichtsschulbücher.

Die japanische Regierung versucht nicht nur das als erste errichtete Friedensdenkmal in Seoul in Südkorea zu entfernen, sondern greift auch in Projekte zur Würdigung der Opfer sexualisierter Gewalt von Bürgern in den USA und anderen Ländern ein. Zum Beispiel störte die japanische Regierung im September 2016 das Vorhaben der Errichtung einer Friedensstatue in Freiburg, Deutschland. Später setzte die japanische Regierung den Besitzer eines privaten Parks in Süddeutschland unter Druck, um die Inschrift neben der Statue zu entfernen. Im April 2018 wurde eine Statue einer philippinischen „Trostfrau“ in Manila entfernt, nachdem die japanische Ministerin für Innere Angelegenheiten und Kommunikation gegen die Errichtung der Statue bei der philippinischen Regierung Protest einlegte. Diese Interventionen sind keine diplomatischen Gebärden eines demokratischen Staates. Wir rufen Japan dazu auf, die Bürger andere Nationen und den Ausdruck ihres historischen Bewusstseins zu respektieren.

Herr Premierminister,

die Überlebenden des „Trostfrauen“ Systems sind bereits in einem fortgeschrittenen Alter. Es ist nur noch wenig Zeit übrig. Wir, die Deutsche Ostasienmission e.V. (DOAM), die Japanische Fraueninitiative Berlin und der Korea Verband e.V., die an einer Lösung der „Trostfrauen“ Frage arbeiten, bitten Sie, unsere Forderungen umgehend umzusetzen.

Wir fordern die japanische Regierung auf:

  • Historische Fakten anzuerkennen,
  • eigene politische Verantwortung zu übernehmen,
  • sich offiziell bei den Opfern zu entschuldigen,
  • eine angemessene Entschädigung als Beweis zu zahlen und
  • Maßnahmen zur Verhinderung ähnlicher Verbrechen in der Zukunft zu ergreifen.

Mit freundlichen Grüßen

Deutsche Ostasienmission (DOAM) e.V.
Japanische Fraueninitiative Berlin
Korea Verband e.V.

Dear Mr. Prime Minister,

Last year was the 10th anniversary of the resolution to solve the „comfort women“ issue which was accepted by the European Parliament. In commemoration of this, in January 2018, Korea Verband e.V. sent ‘The peace statue’ to the European Parliament headquarters in Brussels, Belgium.

In April 2018, the High Commissioner of the United Nations Human Rights Zeid Ra'ad Al Hussein wrote to the minister of foreign affairs of Japan Taro Kono, that the Japanese government should “take Immediate and effective legislative and administrative measures to find a victim-centred resolution for "comfort women", in particular, by acknowledging legal responsibility, and prosecuting and punishing perpetrators, as well as providing victims with full and effective redress and reparation”

During the Second World War, up to approximately 200,000 women in Korea, Philippines, Taiwan, China and other Asian countries have been abused as sexual slaves by the State-led and structural system. It was only in 1991 when this war crime was known by the public when Ms. Kim Hak Soon, the survivor of the comfort women system, spoke out. Her testimony spread through the world and that is the starting point of the “MeToo” like movement in South Korea and other Asian countries. These survivors who reached their 90s now, have delivered the message of hope to survivors of sexual violence worldwide.

Today in Syria, Kosovo, Afghanistan and other countries where armed conflicts are taking place, a lot of women are still being sexually enslaved and many of them are killed. If the Japanese government redresses the “comfort women” issue and apologizes sincerely to the victims, it would also empower survivors who still live in pain.

However, the Japanese government still denies the essence of this war crime and its enforcement character. And the Japanese government does not respect the survivors´ testimony, historical facts and the recognition by the international community.
The Japanese government emphasizes that it reached an agreement with the South Korean government at the end of 2015 with a "definitive" and irrevocable "solution to the" comfort women "issue. However, the government continues to deny their legal responsibility. An apology that you, Mr. Prime Minister, should have given, was not heard by any survivors. Japan strictly rejects negotiations with states such as Taiwan, China or East Timor. How can this agreement be recognized as a solution?

Also, the Japanese government always applies political pressure against all the efforts of the world citizens to commemorate the history of sexual slavery, such as construction of the monument for “comfort women”, listing in UNESCO World Memory, and mentioning these as historical facts in history textbooks.

Concerning the monument for “comfort women”, the Japanese government tries not only to remove the first established „Peace Monument“ in Seoul in South Korea but also to interfere with the projects of the citizens in the USA and other countries to memorize the victims of sexual Violence. For example, in September 2016, the Japanese government disturbed the plan to establish a „Peace Monument“ in Freiburg in Germany. Later the Japanese government pressured the owner of a private park in South Germany to remove the inscription next to the statue. In April 2018, a statue of Filipina „comfort women” in Manila was removed after Japan's Minister for Internal Affairs and Communications had protested the erection of the statue with the Filipino government. Those Interventions can’t be seen as a diplomatic manner of a democratic state. We call for Japan to respect citizens of another nation who will express their own historical consciousness.

Mr. Prime Minister,
the victims of the "comfort women" system are already at an advanced age. There is little time left. We, Deutsche Ostasienmission e.V. (DOAM), Japanische Fraueninitiative Berlin and Korea Verband e.V., who have been working for years to solve the "comfort women" issue, would ask you to put our demands in to action immediately.

We demand the Japanese government to:

  • acknowledge the historical facts
  • assume own political responsibility
  • officially apologize to the victims
  • pay reasonable compensation as proof
  • take measures to prevent the recurrence of similar crimes in the future.

Yours sincerely,
Deutsche Ostasienmission (DOAM) e.V.
Japanische Fraueninitiative Berlin
Korea Verband e.V.

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